Arboretum Baum Nr. 031 - Sommer-Linde

Deutscher Name
Sommer-Linde
Lateinischer Name
Tilia platyphyllos
Familie
TILIACEAE, Lindengewächse
Wissenswertes
Linden waren vor langer Zeit eine wichtige Faserpflanze. Zwischen der harten äußeren Rinde und dem Holz befindet sich ein Bastgewebe, aus dem man mit etwas Aufwand den sogenannten Lindenbast gewinnen kann. Bevor die Hanffaser ab dem Mittelalter den Lindenbast langsam verdrängte, wurden aus Lindenbast unter anderem Fischernetze und Seile hergestellt. Die Wikinger verwendeten diese Seile auf Ihren Schiffen und fuhren damit bis nach Amerika.

Ausführliche Beschreibung

Verbreitung West-, Mittel-, Süd- und Südosteuropa. In Deutschland vor allem südlich der Mittelgebirge. In Norddeutschland war die Sommer-Linde in den Zwischen- und Nacheiszeiten ebenfalls verbreitet. Ihr Areal reicht nicht so weit nach ­Norden und Osten wie das der Winter-Linde. In der Vertikalverbreitung finden wir T. platyphyllos im Erzgebirge auf 600 m, im Bayerischen Wald auf 950 m und in den Bayerischen Alpen auf 1360 m ü. NN. In krautreichen Ulmen-­ Ahorn-Eschen-Schluchtwäldern und in Buchen-Linden-Bergwäldern. Auf gleichbleibend frischen, lockeren, humosen, mittel- bis tiefgründigen, nährstoffreichen, oft kalkhaltigen bis schwach sauren Lehmböden in wintermilder, humider Klimalage.
Wuchs Mächtiger, heimischer Großbaum mit zunächst breit eiförmiger, später mehr rundlicher, gewölbter Krone und im Freistand kurzem, kräftigem Stamm, Äste spitzwinklig und sehr tief ansetzend, Hauptäste weit in die Krone aufsteigend, Bezweigung im unteren Bereich hängend, in der Jugendphase (bis 20 Jahre) rasch wachsend. Größer und gewaltiger als die Winter-Linde.
Größe 30 bis 35 (40) m hoch und 18 bis 25 m breit. Jahreszuwachs in der Höhe etwa 45 cm, in der Breite 30 bis 35 cm.
Rinde Triebe auf der Sonnenseite rotviolett, schattenseits hellrotbraun, anfangs dünnzottig behaart, später werden sie braun und schattenseits oliv. Wintertriebe kahl, an den Spitzen gelegentlich noch schwach behaart. Knospen 6 mm, rotviolett glänzend, meist von 3 sichtbaren Schuppen umgeben.
Blätter Sommergrün, wechselständig, schief eiförmig bis schief herzförmig, kurz zugespitzt, scharf und unregelmäßig gesägt, 8 bis 15 cm lang, bis 12 cm breit, lebhaft gelblichgrün, oben zunächst behaart, später kahl, unten weich behaart, in den Aderwinkeln weißgraue Achselbärte (bei T. cordata rotbraun), treibt früher aus als die Winter-Linde, Herbstfärbung gelb, oft früher Laubfall.
Blüten Gelb, in 3- bis 5-blütigen Trugdolden, süßlich duftend, Juni/Juli. Blüht nach etwa 15 bis 20 Jahren.
Früchte Spitzeiförmig bis ovale oder kugelige, stark verholzte, dickschalige, braune Nüßchen mit 5 ausgeprägten Rippen.
Wurzel Wie T. cordata.
Standort Sonnig bis halbschattig, in kühlfeuchter Klimalage.
Boden Ansprüche sind allgemein größer als die der Winter-Linde. Sie liebt gleich­bleibend frische bis feuchte, nährstoffreiche, tiefgründige Böden, alkalisch bis schwach sauer, kalkliebend.
Eigenschaften Frosthart, durch früheren Austrieb spätfrostgefährdeter als T. cordata, wärmeliebend, Luft- und Bodentrockenheit schlecht vertragend, Halbschattenbaum­art, Luftfeuchte benötigend, empfindlich gegen Luftverunreinigung, salzempfindlich, anfällig gegen Rote Spinne, sehr gute Bienenweide, Laub wirkt stark bodenverbessernd, es verrottet schnell und enthält bedeutende Mengen an Eiweiß und Kalk und ist arm an organischen Säuren (NAMWAR; SPETHMANN), ergibt gute gärtnerische Erden (EHLERS), wegen der starken Wurzelbildung für Bodenfestigung geeignet, hohes Ausschlagsvermögen, windfest, erreicht ein Alter von 1000 bis 1500 Jahren.